Ladenglück - Warteschlangen adé

Warteschlangen sind ein lästiges Übel, in der die Zeit oft nicht zu vergehen scheint. Das muss aber nicht sein! Das Münchner Unternehmen Ladenglück hat eine App entwickelt, in der sich Kunden digital anstellen können und benachrichtigt werden, sobald sie dran sind.

Was macht euer Start-up und warum glaubt ihr, wird sich eure Geschäftsidee durchsetzen?

Ladenglück ist eine Plattform zur Reservierung von Einkaufszeiten. Die Idee resultiert aus der Notlage vieler stationärer Einzelhändler und Restaurants und der gleichsam bedrückenden und zeitfressenden Einkaufssituation für viele Kunden angesichts der aktuellen COVID-19-Pandemie. Bei Ladenglück profitieren sowohl teilnehmende Geschäfte als auch Shopper gleichermaßen. Durch die Festlegung von Zeitfenstern und Kapazitäten können Geschäfte ihre jeweilige Kundenauslastung steuern und somit den Besucherstrom gleichmäßig über den Tag verteilen. Durch Nutzung der Plattform kann die Personalplanung effektiver gestaltet, Vorschriften konsequenter eingehalten und die Gefahr von Kundenverlust durch Überfüllung minimiert werden. Auch bilden die erhöhte Reichweite, Werbewirkung und potenzielle Neukundenakquise attraktive Benefits.

Die Ladenbesucher hingegen können ihren Einkauf bequem von Zuhause oder unterwegs aus planen, indem sie ihr Wunschzeitfenster per Smartphone buchen. Zeit- und nervenraubendes Anstehen bleibt ihnen damit erspart. Auch spontanes Einreihen in eine digitale Warteschlange und späteres Zurückkehren zum Laden sind möglich.

Durch die gezielte Organisation über unsere Plattform reduzieren beide Seiten – Länden und Shopper – bereits im Vorfeld die Gefahr von Überfüllung und damit verbundener Ansteckungsgefahr während des Einkaufens und tragen effektiv und gleichsam bequem zur Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsvorschriften bei. Zudem können wichtige Informationen über Sicherheitsvorkehrungen, Rush Hours und spezielle Einkaufszeiten für Risikogruppen über die App an die Kunden weitergegeben werden.

Mit Ladenglück kehrt ein Teil des unbeschwerten Einkaufens zurück in unser Leben. Es ermöglicht ein verantwortungsbewusstes und sicheres Einkaufen für Kunden und entlastet und unterstützt Ladenbesitzer bei der Verwaltung und dem Management von Reservierungen, der Auslastungssteuerung und Vermeidung von Warteschlangen.

Wir glauben an unser Konzept, weil es die Lösung zur Überwindung der durch COVID-19 ausgelösten akuten Nöte und Ängste vieler Menschen ist. Mit unserer Technologie und dem zugehörigen Teamspirit wollen wir von Ladenglück sowohl dem Kunden als auch den Einzelhändlern wieder ein Stück Normalität und Sicherheit zurückgeben.

Was waren die größten Hürden, die ihr auf eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Mit unserem bisherigen Startup Nexup sind wir eigentlich in der Eventbranche tätig, wodurch unser Konzept auch inhaltlich tief mit dem Zusammenkommen von Menschen auf Events jeglicher Art verwurzelt ist. Die Coronakrise legte unser gesamtes Geschäftsmodell kurzerhand und mit aller Kraft lahm. Den Kopf in den Sand zu stecken widerspricht unserem Gründergeist und Innovationsspirit jedoch so fundamental, dass es nicht lang dauerte, bis die Idee zu Ladenglück entstand. Der Wechsel von Nexup auf Ladenglück stellte uns vor viele Herausforderungen, da wir es von jetzt auf gleich mit einer vollkommen anderen Zielgruppe und einhergehender Bedürfnisse zu tun hatten.

Trotz fehlender Lösung am Markt ist es als Startup, welches eine flächendeckende Massenlösung für Jedermann anstrebt, sehr schwierig in Kontakt mit zuständigen Ansprechpartnern und etablierten Unternehmen zu treten. Die fehlende Reputation steht einem dort häufig im Weg.

Außerdem rennt die Zeit, um ein Produkt zu schaffen, das die aktuellen und akuten Bedürfnisse der Menschen adressiert. Einzelhandel und Kunden sehnen sich JETZT nach einer Lösung.

Wo geht die Reise hin? Was sind eure Ziele für 2020 und für die nächsten fünf Jahre?

Wir wollen im Laufe des Jahres unser Produkt im deutschen Markt etablieren und damit dazu beitragen eine zweite COVID-19-Welle zu verhindern. Die Menschen sollen wieder unbeschwert shoppen können, sodass auch unsere Lieblingsläden die Krise überleben.

In den nächsten fünf Jahren sollen zunächst Applikationen für anderen Bereiche und Branchen, wie z.B. Restaurant oder Fitnessstudios erweitert werden. Wir hoffen, dass Corona bis dahin weitestgehend aus unser aller Leben verschwunden ist und müssen uns demnach mit der Weiterentwicklung der Geschäftsidee befassen. Unser langfristiges Ziel ist auf jeden Fall eine Verbindung zwischen online und offline auf Seiten der Kunden im Retail und anderen Bereichen schaffen. 

Wie seid ihr bekannt geworden?

Wir befinden uns derzeit intensiv in der Phase unsere Bekanntheit zu erhöhen. Wir sind bislang erst lokal und dabei vor allem in München vertreten. Dabei haben wir zwei Vorgehensweise verfolgt: 

1.  Das Gespräch mit lokal ansässigen und inhabergeführten Großgeschäften gesucht (die big fish, wie wir sie nennen), um mit diesen ein Pilotprojekt starten und eine Beziehung aufbauen zu können. Sobald ein paar große lokale Player dabei sind, geht es weiter an die kleineren Läden. Denn hier ist es wichtig, zu zeigen, dass bereits andere Unternehmen mit uns zusammenarbeiten und zufrieden sind. 

2. Es war uns zudem wichtig, Entscheidungsträger aus Verbänden und Wirtschaft anzusprechen oder auf unser Netzwerk aus dem Inkubator der TU München und dem Accelerator Innowerft zurückzugreifen und damit größere Bekanntheit zu erlangen.

Wie geht ihr mit Rückschlägen um?

Wir hatten mit Nexup bereits den härtesten Rückschlag, den wir uns vorstellen konnten. Wie bereits oben geschildert ist bis mindestens Ende August tote Hose in der Eventbranche. Wir mussten umdenken und geben nicht auf. Als Start-up muss man mit diesem Risiko leben und sich schnell an wechselnde Marktbedingungen anpassen.

Für uns gab es zwei Alternativen: Entweder transferieren wir unsere Technologie in einen anderen Bereich oder wir entwickeln ein anderes Produkt in der gleichen Branche. Die erste Alternative war natürlich wesentlich attraktiver, weshalb wir sie dann auch mit Ladenglück umsetzten. Unter kleinen Anpassungen am Produkt entstand rasch die Plattform Ladenglück. Am allerwichtigsten in dieser Situation ist jedoch unser TEAM. Alle auf die gleiche Ebene bringen, uneingeschränktes Commitment aller, mit viel Energie an einem Strang ziehen, sich gegenseitig unterstützen, nie aufgeben und gemeinsam kämpfen – das sind unsere Grundsätze.

Welche Tipps könnt ihr Gründern mit auf den Weg geben?

Agilität ist das A.O. Schnell, elaboriert Situationen, Risiken und Chancen erkennen und dann schnell, aber überlegt, agieren! Das Vertrauen in sich und sein Team sollte man dabei nie verlieren! Außerdem ist die Strukturierung klarer Vorgehensweisen wichtig, sowohl beim Setzen des Fokus als auch beim Roll-out und dem Herantreten an mögliche Kundengruppen.

Gründer sollten sich nicht auf Kleinigkeiten versteifen. Es hilft, so schnell wie möglich das MVP zu haben. Nicht alles muss von Beginn an komplett ausgefeilt sein. Uns fehlen auch noch einige Funktionen, in denen wir weiteres Potenzial für Ladenglück sehen. Aber das Hauptgerüst steht zuverlässig und stiftet schon jetzt großen Nutzen in dieser herausfordernden Zeit.

Unternehmen: Ladenglück

Gründer: Claudio Bierbrauer, Jimmy Weber, Fynn Eckstein, Nikolai Vlahovic

Branche: Consumer Tech

Gründungsjahr: In Gründung (Mai 2020)

Firmensitz: München

Mitarbeiteranzahl: 7

Webseite: https://ladenglueck.de

„ Unsere intuitive App hat nicht viel Schnickschnack, kann aber genau das, was sie soll: Die Innenstädte wieder zum Leben erwecken und das ohne gesteigerte Ansteckungsgefahr und ohne zweite Infektionswelle. “

Claudio Bierbrauer – Gründer Ladenglück

Einblicke in das Projekt