Best-Practice: Mein Kleiderzimmer

Marilyn Repp

Das Unternehmen: Schwesterherzen

Auf einen Blick:

Unternehmen: Schwesterherzen
Mitarbeiter: 40
Filialen: 5
Branche: Textil & Mode

Die Schwestern Gaby, Sonja und Linda sind im Einzelhandel groß geworden. Früher als Vogt Mode und nun als Schwesterherzen umbenannt, liegen fünf Filialen in Süddeutschland in ihrer Verantwortung. Alle drei stehen regelmäßig im Verkauf um nahe bei ihren Kunden und ihren Bedürfnissen zu sein. 40 Mitarbeiter hat das gesamte Unternehmen.

Die Herausforderung bzw. das Problem

Im Fashionbereich steigt der Onlineanteil in jedem Jahr, mittlerweile wird jeder vierte Bekleidungs-Euro in einem Onlineshop ausgegeben. Wie lockt man da den Kunden noch in ein Ladengeschäft? Das geht mit dem Kleiderzimmer.

Der Ansatz

Das neue Geschäftsmodell der Schwestern liegt im Bereich anlassbezogener Konsum. Eine Gruppe von Freundinnen oder Freunden können ein eigenes Shoppingevent im Laden buchen. Mein Kleiderzimmer gibt es in zwei Varianten: Als separaten Raum oder im kompletten Laden. In beiden Kleiderzimmer-Varianten buchen die Kunden im Voraus einen Termin und können dann in ihrem eigenen Bereich in Ruhe shoppen. Es gibt jede Menge Platz, Spiegel, Sitzmöglichkeiten, Getränke, Snacks, Häppchen – außerdem natürlich eine eigene Modeberaterin.

Der separater Raum kann während und nach den Öffnungszeiten gebucht werden. Wenn kein separater Raum vorhanden ist, wird ein „Raum“ im Laden aufgebaut, um auch hier die Kleiderzimmer-Atmosphäre entstehen zu lassen. Diese Mein Kleiderzimmer-Variante kann nach den Öffnungszeiten reserviert werden. Die Umsätze im Kleiderzimmer sind individuell von jedem Geschäft abhängig.

Das Ergebnis

Für den Kunden entsteht ein individuelles Einkaufserlebnis. Im Kleiderzimmer liegt dieser bei durchschnittlich 6,5 Artikeln, die jedem Kunden verkauft werden.

Die Neukundenquote beträgt 26 % – im Normalbetrieb liegt dieser bei ca. 10 %. Die sogenannte Conversion Rate ist mit 98 % sehr hoch. Das bedeutet, dass fast jeder, der in den Laden kommt, dort auch etwas kauft.

Die Bausteine, Erfahrungen und die Online-Plattform zur Buchung bieten die Schwesterherzen heute als Plattform-Paket an. Sie haben dadurch ein neues Geschäftsmodell entwickelt und vertreiben nun auch diese Software.

Der Textilhandel ist sehr stark vom Wetter abhängig. Im Herbst 2018 mussten die Händler das wieder sehr deutlich spüren. Temperaturen bis zu 25 Grad verhinderten den Bedarf an Herbst-Winter-Ware. Das Kleiderzimmer konnte gerade in dieser Zeit seine Qualitäten herausstellen. Im Vorfeld gebuchte Termine wurden wahrgenommen, denn schließlich haben sich alle Freundinnen den Termin freigehalten und sich lange darauf gefreut. Diese festen Termine ermöglichen wetterunabhängige Umsätze – eine starke Waffe, die es im Einzelhandel so noch nicht gab.