Wie sich ein Baumarkt erfolgreich digitalisiert

Ein Umsetzungsprojekt des Mittelstand 4.0–Kompetenzzentrums Handel zur Digitalisierung des Einzelhandels: Der hagebaumarkt Grünhoff in Langenfeld

Viele Händlerinnen und Händler scheuen sich noch immer vor dem Thema Digitalisierung. Keine Zeit, keine finanziellen Mittel, keine Leitfäden, an dem man sich entlang hangeln kann. Genau das hat sich das Mittelstand 4.0–Kompetenzzentrum Handel zur Aufgabe gemacht, zu ändern. Und zwar besonders für kleine und mittlere Handelsunternehmen, die gleichsam zur Förderung der digitalen Transformation in ihrem Unternehmen motiviert und praxisnah unterstützt werden sollen.

Als Teil der Mittelstand-Digital-Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat das Mittelstand 4.0–Kompetenzzentrum Handel in Zusammenarbeit mit der gmvteam GmbH das erste Umsetzungsprojekt abgeschlossen und kann nun ein erstes Resümee ziehen.

Wenig überraschend war es zu erfahren, dass auch ein Baumarkt keine Zeit und Ressourcen für die selbstständige Digitalisierung hat. Es gibt kaum genug Angestellte, um die Kundschaft auf der Fläche zu bedienen. Doch natürlich legen die Kundinnen und Kunden auch hier viel Wert auf Kommunikation im Servicebereich – viele schütten den Angestellten ihr Herz aus und beanspruchen somit viel Zeit, die kaum einer hat. Doch was hat das Ganze mit Digitalisierung zu tun und wie kann diese dabei helfen?

An erster Stelle muss ein Umdenken stattfinden. Das alte Geschäftsmodell muss überarbeitet und auf die Digitalisierung vorbereitet werden. Weg vom Umsatzdenken und den typischen Gedankengängen eines Händlers. Das klingt nach einem einfachen Schritt, schließlich geht jeder einkaufen und wird auf diese Weise selbst zur Kundschaft. Aber wie betrachte ich mein eigenes Geschäft als Kundin oder Kunde? Welche Außenwirkung habe ich auf meine Kundschaft? Was unterscheidet mich von der Konkurrenz? Welche Vision und welche Message möchte ich mit meinem Unternehmen meiner Kundschaft vermitteln?

Genau dieser Ansatz hat im ersten Workshop mit dem hagebaumarkt Grünhoff in Langenfeld die Grundlage für alle weiteren Entwicklungen des gesamten Geschäftsmodells unter Berücksichtigung der Digitalisierung gelegt. Der neu erarbeitete Leitsatz des hagebaumarkt Grünhoff lautet nun: „Der hagebaumarkt Grünhoff bietet dir deine Wohlfühl- und Erlebniswelt für traumhaftes WOHNEN – GÄRTNERN – GENIESSEN – ENTSPANNEN“. Nach einer genauen Definition des eigenen Geschäfts konnten die nötigen Aktivitäten und Maßnahmen anhand der Shopper Journey festgelegt werden – um dieses Ziel auch zu erreichen.

Impuls und Information

Nach der Visionserstellung folgt logischerweise die Identifizierung der eigenen Kund:innen um die gewünschte Zielgruppe festzulegen.

Um für die Kundenbindung und die definierte Zielgruppe den nötigen Impuls zu schaffen, empfiehlt sich heutzutage vor allem, eine Community auf einer Social-Media-Plattform aufzubauen. Hierfür hat der hagebaumarkt Grünhoff eine interne Mitarbeiterin und einen internen Mitarbeiter ausgewählt. Nachdem diese im Oktober 2019 eine Social-Media-Schulung erhalten haben, sind sie nun die offiziellen Markenbotschafter des hagebaumarkt und stellen regelmäßig Beiträge bei Facebook und Instagram ein.

Der Aufenthalt

Um für seine Kundschaft eine anziehende und einladende Einkaufsatmosphäre zu schaffen, bildet die erarbeitete Vision die perfekte Grundlage. Das Thema „Wohlfühl- und Erlebniswelt für traumhaftes WOHNEN – GÄRTNERN – GENIESSEN – ENTSPANNEN“ wird daher wieder aufgegriffen. Entsprechend der Limbic Types – den wichtigen emotionalen Persönlichkeitsstrukturen – werden Themenwelten erarbeitet, in denen sich die Kund:innen inspirieren und von dem Expertenteam des hagebaumarkts Grünhoff beraten lassen können. Ein entsprechender Wohlfühlbereich rundet das Konzept ab und bietet einen dritten Raum, in dem das Nützliche mit dem Bequemen verbunden werden kann.

Außerdem ermöglicht ein offener WLAN-Zugang die Implementierung weitere Digitalisierungsmaßnahmen wie ein virtuelles Shopping Shelf für eine detailliertere Produktdarstellung und zur Erweiterung des Sortiments am POS. Darunter versteht man eine, meist über ein Tablet dargestellte, Datenbank mit zusätzlichen Produkten, die sich nicht im Laden befinden. Kundinnen und Kunden können damit Informationen abrufen, Services in Anspruch nehmen oder vor Ort Transaktionen durchführen. Somit verbindet das Handelsunternehmen das Online-Shopping-Geschäft mit dem Ladengeschäft und kann mehr Produkte auf weniger Fläche anbieten.

Digitalisierung

Die größte Erneuerung im Digitalisierungsvorgang ist die Einführung einer Kundenfrequenzmessung. Da sich der hagebaumarkt Grünhoff zum Ziel gemacht hat, mehr Frauen mit seinem Produktsortiment zu erreichen, dient diese Technik größtenteils der internen Erfolgskontrolle der ausgeführten Aktionen. Außerdem erkennt man so besser die Schwachstellen im Geschäft und kann schneller das Angebot anpassen. Das spart Zeit, Ressourcen und besonders Geld. Die zweite Maßnahme ist die Implementierung eines digitalen Beraters. Mittels eines Tablets können die Kund:innen akustisch oder schriftlich erfragen, wo sie z.B. einen Artikel oder eine Artikelgruppe im Baumarkt finden.

Das Sortiment

Auch in Bezug auf das Sortiment bildet die Vision eine Grundlage. In den dazu erbauten Themenwelten wird es für Kund:innen die passenden Produkte mit regionalem und saisonalem Bezug geben. Dazu kommen eine Wohlfühloase, ein Gastronomie-Bereich und eine DIY-Werkstatt. Diese dritten Räume, die zum Verweilen einladen, verlängern im gleichen Atemzug die Aufenthaltsdauer. Neben den Events und den Schulungsangeboten werden die KundInnen eine Anlaufstelle rund ums Wohlfühlen finden. Diese Form der In-Store-Entschleunigung fördert das Einkaufserlebnis der Kund:innen und wirkt sich positiv auf das Kaufverhalten aus.

B2B Services

Der hagebaumarkt Grünhoff bietet eine gute Auswahl an Profi-Produkten und möchte die ortsansässigen HandwerkerInnen auf seine Produktauswahl aufmerksam machen. Ziel ist außerdem, in diesem Segment mehr Kund:innen zu erreichen. In einem separaten Eingang für Handwerker:innen wird es eine besondere Betreuung geben: Das dort zuständige Personal wird Vertriebstrainings erhalten, um diese Handwerker:innen gezielt auf das Profi-Sortiment und die Service-Angebote wie Auflade-Service oder Transporter-Verleih anzusprechen.

Bindung

Integration von hageWORX: Die Werkstatt für SELBER-MACHER. Mitten im hagebaumarkt Grünhoff kann sich die Kundschaft in Zukunft ihre Heimwerker-Träume erfüllen. In einer Werkstatt werden sie ausreichend Werkzeuge und Material vorfinden und bei Bedarf können sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Hier sollen zudem Heimwerker-Kurse für die weibliche und männliche Zielgruppe angeboten werden.

Alle Maßnahmen, sei es der Umbau, die Implementierung neuer Themengebiete, die Kommunikationsverbesserung unter den Angestellten, die Einführung verschiedener Aktionen in Kombination mit Social Media oder die Digitalisierungsmaßnahmen, sorgen nicht nur für ein verbessertes Arbeitsumfeld mit schnelleren internen Prozessen, sondern bietet der Kundschaft schlussendlich ein Einkaufserlebnis, das dem 21. Jahrhundert würdig ist.

Unternehmen: Hagebaumarkt Grünhoff

Mitarbeiter: 50

Filialen: 1

Branche: Bau- und Heimwerkermärkte

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