Auf digital folgt stationär – Sneakers Unplugged wird zum Omni-Channel-Händler

Im Herbst 2020 haben wir Christian Ohm und seinen Onlineshop Sneakers Unplugged im Interview vorgestellt. Seine Geschäftsidee: Nachhaltigkeit im Einzelhandel und E-Commerce praktisch umsetzen – mit Sneakers Unplugged hat er diesen Spagat gemeistert. Im Praxisbeispiel möchten wir an dieser Stelle verdeutlichen, wie wichtig das Zusammenspiel aus E-Commerce und klassischem stationärem Handel noch immer ist.

Die Ausgangslage:

Angebot nachhaltiger und fair produzierter Sneakers im Onlineshop

Sneakers Unplugged startete im Corona-Krisenjahr 2020 als Onlineshop und setzt seither auf ein Produktsortiment, das umwelt- und stilbewusste Sneakerfans ansprechen soll. Um die notwendige Aufmerksamkeit in digitalen Kanälen zu erreichen, gehören seit Beginn SEO, SEA und Social-Media-Marketing zum Geschäft. Die Auswahl der Labels und Produkte, die im Sortiment aufgenommen werden, wird auf Basis hoher Nachhaltigkeitsstandards getroffen: Faire Produktion und Vertrieb sowie natürliche Materialien und umweltfreundliche Herstellung der Schuhe sind Eigenschaften, die für Endkonsument:innen glaubhaft gemacht werden müssen. Auffällig ist, dass bekannte Sneakermarken, die nach und nach ebenfalls auf Nachhaltigkeit setzen, bisher nicht geführt werden.

Dass Sneakers Unplugged zunächst digital und mit eigenem Onlineshop startete, war vor allem dem Pragmatismus geschuldet:

„Ein Onlineshop ist weniger ressourcenintensiv und auch weniger anfällig für Lockdown-Beschränkungen als ein stationäres Geschäft, aber im Jahr 2020 ist auch ein Onlineshop kein Selbstläufer und erfordert viel Arbeit und Einsatz.“

Christian Ohm, Sneakers Unplugged

Die Vorteile eines eigenen Onlineshops liegen auf der Hand: Konsument:innen können standortunabhängig nachhaltige Sneaker kaufen, Öffnungszeiten oder Einkaufsbeschränkungen gibt es nicht und ein Einkauf kann bequem von der Couch oder von unterwegs getätigt werden. Sneakers Unplugged erhält im Gegenzug Kundendaten und die Möglichkeit, eine breitere Zielgruppe zu erreichen und damit höheren Umsatz zu erzielen. Eng damit verbunden sind digitale Marketingkampagnen, die den Onlineumsatz befeuern:

Interview mit Christian Ohm | © Christian Ohm, Sneakers Unplugged
Interview mit Christian Ohm | © Christian Ohm, Sneakers Unplugged

„Unsere Zielgruppen sind eher jünger, progressiv und in urbanen, post-modernen Milieus zu finden, daher ist Social Media – und Online-Marketing generell – überlebenswichtig und absolut essenziell für uns.“

Christian Ohm, Sneakers Unplugged

Die Herausforderung:

Innovative Materialien und neue Labels kennen zu lernen und hautnah zu erleben, ist online kaum bis gar nicht abbildbar. 

Und: Potenzielle Kund:innen sind mit Materialien und Eigenschaften nachhaltig produzierter Sneaker nicht vertraut.

Zwar sind Onlineshops aufgrund geringerer anfänglicher Hürden einfacher zu starten, sie bieten Zielgruppen jedoch nicht die Möglichkeit, die Produkte zu erleben. Denn neben persönlicher Beratung sind vor allem Anprobieren und Anfassen beim Schuhkauf wichtig. Ob der Schuh in der gängigen Größe passt, wissen Konsument:innen erst, wenn sie ihn am Fuß tragen. Beim Onlineshopping kann dieser Faktor dazu führen, dass entweder direkt mehrere Größen bestellt werden und in jedem Fall eine Retoursendung anfällt oder kein Schuh gekauft wird, weil das Modell nicht gefällt oder die ausgewählte Größe doch nicht passt. In jedem Fall sind Retourensendungen nicht nur teuer, sondern auch nicht nachhaltig.

Von Händlerseite geht es außerdem um den direkten und persönlichen Kontakt zur Kundschaft. Dieser beschränkt sich im reinen E-Commerce auf digitale Kanäle wie beispielsweise Newsletter, Live-Chats auf der Website oder Social Media. Dabei fehlt vor allem die Möglichkeit, neue Zielgruppen an die innovativen Produkte heranzuführen, deren Herstellungsweisen, Materialien und Produktion mitunter erklärungsbedürftig sind. Über digitale Medien lässt sich die Haptik des verwendeten Materials zwar durch Text, Bild und Ton beschreiben, aber nicht erleben.

Das digital getriebene und auf E-Commerce beruhende Geschäftsmodell sollte deshalb um analoge Verkaufskanäle erweitert werden und mit einem umfassenden Informations- und Beratungsangebot am stationären Point of Sale in attraktiver Innenstadtlage punkten. Die Eröffnung eines stationären Geschäfts ist allerdings zeit- und ressourcenaufwändig, mit einem höheren Risiko verbunden als ein Onlineshop und es bedarf einer geeigneten Verkaufsfläche.

Die Lösung:

Hybrider Ansatz aus Online- und Offline-Handel

Sneakers Unplugged setzt neben SEO und SEA (Suchmaschinenoptimierung und Werbung) auf Content Marketing über Social Media und einen eigenen Blog. Über diese digitalen Kanäle werden Informationen zu den angebotenen Schuhen, den herstellenden Unternehmen und vor allem zu Nachhaltigkeitsthemen mit interessierten Nutzer:innen geteilt. Blogbeiträge zahlen damit zum einen über Verlinkungen und Verschlagwortung auf die Suchmaschinenoptimierung ein. Zum anderen lassen sich Themen wie Nachhaltigkeit oder fairer Handel im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR) – also der unternehmerischen Verantwortung für die Gesellschaft – über Blogbeiträge abbilden. Es gehe darum, durch unabhängige und fundierte Berichterstattung einen „Gegenpol zum Greenwashing einiger großer Hersteller in diesem Bereich“ und ein Bewusstsein bei den Konsument:innen zu schaffen, so Christian Ohm.

Um auf allen Kanälen punkten zu können und der Herausforderung nach mangelndem Erlebnis über Onlineshops Rechnung zu tragen, setzt Sneakers Unplugged auf einen hybriden Ansatz aus Onlinehandel und stationärem Verkauf.

„Eventuell vorhandene Vorbehalte gegenüber Qualität, Verarbeitung oder Materialbeschaffenheit können so viel besser adressiert werden.“

Christian Ohm, Sneakers Unplugged

Vorab wurden Pop-Up-Stores in Köln, Düsseldorf und Berlin eingerichtet, um das Vorhaben praxisnah zu testen. Trotz kurzfristiger Beschränkungen und Unsicherheiten durch Corona gelang eine erfolgreiche Umsetzung der Pop-Up-Stores. Die positive Resonanz und das große Interesse der Kundschaft bestärkten Christian Ohm, einen festen, dauerhaften Standort in Köln zu suchen, um einen stationären Sneakers Unplugged Store zu eröffnen.  

Seit März 2021 gibt es nun ein festes Geschäft in der Kölner Innenstadt. 

Im Sneaker Store | © Christian Ohm, Sneakers Unplugged
Im Sneaker Store | © Christian Ohm, Sneakers Unplugged

„Damit ist Europas erster Sneaker Store für nachhaltige, faire und vegane Sneakers nicht in London oder Berlin, sondern in Köln! Jetzt gilt es diesen neuen Store in der Region bekannt zu machen und einen Kundenstamm aufzubauen.“

Christian Ohm, Sneakers Unplugged

Vor Ort können neugierige Innenstadtbesuchende und Kund:innen sämtliche Modelle in allen verfügbaren Größen anprobieren und sich zugleich vom fachkundigen Verkaufspersonal beraten und inspirieren lassen. Im Sinne des Cross-Channel-Handels ist eine Lieferung nach Hause ebenso möglich wie der direkte Kauf im Geschäft, über den Onlineshop wird zudem Click & Collect angeboten. Angekündigt wurden zudem Pläne, den Verkaufsraum als Veranstaltungsort nutzen zu wollen und Erlebnis und Einkauf damit noch stärker zu verbinden. Denn auch – oder vor allem – in Zeiten der Digitalisierung setzt Christian Ohm mit Sneakers Unplugged auf den Mix aus E-Commerce und stationärem Einkaufserlebnis.

Der Beitrag wurde von Svenya Scholl verfasst.

Unternehmen: Sneakers Unplugged

Ort: Köln

Anzahl Mitarbeitende: 0

Gründungsjahr: 2020

Branche: Nachhaltige Kleidung

Website: sneakers-unplugged.de

Schrift vergrößern
Kontrast