Payment als Herausforderung – Drei Fakten aus dem Jahr 2021

Cassandra BolzGeschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Die Pandemie hat das Zahlungsverhalten im Alltag verändert. Kontaktloses Zahlen wird immer öfter dem Bargeld vorgezogen und neue Ansätze rund drängen auf den Markt. Grund genug, die Payment-Landschaft einmal genauer zu betrachten. Was sind die wichtigsten Entwicklungen des vergangenen Jahres 2021? Und was bedeutet das für den stationären und Onlinehandel?

One fits all? Die Rechnung bleibt der Kassenschlager im E-Commerce

Welche Zahlungsart präferiert wird, ist von Kund:in zu Kund:in unterschiedlich. Werden die Lieblingszahlungsmittel beim Shopping im Netz nicht angeboten, wechselt fast jede:r Dritte den Onlineshop und kauft bei der Konkurrenz. Der Paymentmix sollte immer an die jeweilige Zielgruppe angepasst sein, denn die Bedürfnisse beim Thema Payment sind – z. B. abhängig von Alter, Geschlecht und Onlineaffinität – sehr unterschiedlich. Mit einer Ausnahme: Die Rechnung ist das Lieblingszahlverfahren der meisten deutschen Onlineshopper:innen. Sie erfüllt die Wünsche unterschiedlicher Kundengruppen und ist damit ein absolutes Must-Have für den Online-Handel. Egal ob durch die Coronapandemie neu hinzugekommene Onlineshopper:innen oder die onlineaffinen Smart Natives – die Rechnung ist bei verschiedenen Zielgruppen beliebt.  

Rechnung einfach und ohne Risiko: Dienstleister machen es möglich

Den Konsumentenliebling bietet mit lediglich 67 Prozent nur etwas mehr als die Hälfte der Onlinehändler an – und auch hier kann nicht jede:r Kund:in jeden Einkauf per Rechnung zahlen. Zu groß ist die Angst vor Betrug und Zahlungsausfall. Denn ebenso wie der Ratenkauf oder die Lastschrift gehört die Rechnung zu den risikoreichen Zahlungsverfahren, die für Händler:innen zudem kompliziert und aufwändig in der Abwicklung und Verwaltung scheint.

Quelle: ECC KÖLN (2021): ECC Paymentstudie Vol. 25.
Quelle: ECC KÖLN (2021): ECC Paymentstudie Vol. 25.

Hier kann die Zusammenarbeit mit einem auf Rechnungskäufe spezialisiertem Dienstleister:innen Abhilfe schaffen. Schon heute werden fast 60 Prozent der Rechnungskäufe abgesichert über einen Dienstleister angeboten. Dabei setzen Unternehmen – je nach Strategie – entweder auf eine White Lable-Lösung oder auf die Zusammenarbeit mit einem bei den Konsument:innen bekannten Unternehmen. Die heutigen Angebote der Dienstleister machen es somit allen Onlinehändler:innen möglich, die Rechnung als Zahlungsverfahren seinen Kund:innen anzubieten und sich somit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Rechnungsanbieter ist für Konsument:innen nicht sichtbar. Die Kund:innen verbleiben beim Rechnungskauf auf der Händlerseite und wechseln nicht zwischen Händler und Rechnungsanbieter. Somit erhalten sie alles aus einer Hand.

Blick in die Zukunft: Digitalisierung der Rechnung

Damit die Rechnung auch zukünftig ihre Vormachtstellung halten kann, muss sie weiterentwickelt werden. Viele Anbieter:innen arbeiten daher an der Digitalisierung und Flexibilisierung der Rechnung. Zudem verlässt die Rechnung zunehmend den reinen E-Commerce und etabliert sich auch am Point-of-Sale. Sie wird zu einem Cross-Channel-Zahlungsverfahren, das flexibel von Konsument:innen in jedem Kanal genutzt werden kann. Angesicht des Booms digitaler Wallet Solutions eine wichtige Konsequenz.

Digitale Geldbörse: Wallet-Solutions erobern die Kassen online und offline

Digitale Wallets, allen voran PayPal, dringen seit Jahren immer weiter in die unterschiedlichen Lebensbereiche der Konsument:innen vor. Längst werden sie nicht mehr ausschließlich für Zahlungen im Internet genutzt. Auch für sogenannte Peer2Peer-Zahlungen werden sie angewendet: Hierbei handelt es sich um digitale Überweisungen zwischen Privatpersonen, die zum Beispiel das Teilen einer Rechnung im Restaurant oder das Sammeln von Geld für ein Geburtstagsgeschenk ermöglichen.Darüber hinaus bieten FinTech-Unternehmen weitere zahlreiche Services rund um ihre Bezahllösungen an. Bisher war PayPal der Vorreiter, wenn es um Anbieter digitaler Geldbörsen ging. Mit der Coronakrise scheint jetzt auch der Weg frei für andere Anbieter wie Google Pay, Apple Pay und Co. Ein wesentlicher Vorteil digitaler Wallets: Sie sind vielseitig einsetzbar, funktionieren offline und online, verknüpfen somit die Kanäle und werden zum ständigen Begleiter der Konsument:innen.

  • Digitale Wallets werden zielgruppenübergreifend Standard

    Mit der Wallet-Solution des US-Giganten PayPal haben bereits 87 Prozent der Onlineshopper:innen im E-Commerce bezahlt – nur der Rechnungskauf ist im deutschen E-Commerce konsumentenseitig verbreiteter. Damit sind digitale Zahlungsmittel längst kein Nischenprodukt mehr für besonders digital affine Zielgruppen. Zwar sind andere Wallet-Lösungen wie die von Google, Apple oder auch Amazon deutlich weniger verbreitet, dennoch werden sie immer mehr zu ernstzunehmenden Konkurrenten klassischer Zahlungsverfahren.

  • Payment am POS: Zahlen mit Abstand boomt

    Noch wird an deutschen Ladenkassen am häufigsten mit Schein und Münze gezahlt (63 Prozent der Konsument:innen zahlen (sehr) oft mit Bargeld). Dies könnte sich aber schon bald ändern, denn Corona hat auch am Point-of-Sale (POS) zu einem Digitalisierungsschub geführt. Bargeldlose Zahlungen holen das Bargeld mehr und mehr ein und sind dabei unabhängig von der Bonhöhe relevant.

  • Pandemie ist maßgeblich am Umbruch der Bezahlgewohnheiten beteiligt

    Mit der Dauer der Pandemie verändern sich auch zunehmend die Bezahlgewohnheiten der Konsument:innen. Haben im November 2020 noch 62 Prozent der Konsument:innen angegeben, ihr Bezahlverhalten geändert zu haben, waren es im Januar 2021 bereits 68 Prozent. Dabei haben sich die Bezahlgewohnheiten vor allem in Richtung kontaktloses Bezahlen mit der Karte verschoben. Kontaktloses Bezahlen ist durch Corona und den damit Anstandsempfehlungen und -regelungen – bereits auf Platz drei der am häufigsten genutzten Bezahlarten am POS. Schon im Januar bezahlte mehr als ein Drittel der Konsument:innen ihren Einkauf kontaktlos. 70 Prozent dieser Zahlungen werden dabei mit NFC-fähigen Karten getätigt.

Quelle: ECC KÖLN (2021): ECC Paymentstudie Vol. 25.
Quelle: ECC KÖLN (2021): ECC Paymentstudie Vol. 25.

Mobile Payment ist jung und männlich

Noch spielen Smartphone (15 %) und Smartwatch (6 %) beim kontaktlosen Bezahlen an der Ladenkasse eine untergeordnete Rolle. Dies kann sich aber in den nächsten Jahren rasant ändern, denn das Smartphone spielt auch beim Shopping eine immer größere Rolle. So wird bereits jeder dritte Onlineeinkauf über das Smartphone abgewickelt. Damit hat Corona die Chancen für Mobile Payment erhöht, zukünftig doch noch zu einem relevanten Zahlungsmittel für den stationären Einkauf zu werden. Denn auch wenn seit Jahren auf den Durchbruch von mobilen Bezahllösungen am POS gewartet wird, zückt erst 2021 tatsächlich eine relevante Kundenzahl das Smartphone an der Ladenkasse.

Fazit:

Entwicklungen in der Paymentwelt bündelt die ECC Paymentstudie und rückt in ihrer 2022er Deep-Dive-Studie das Smartphone als Zahlungsmittel in den Mittelpunkt. Welche Rolle das Smartphone beim Online- als auch stationären Shopping spielt, erfahren Sie in der Anfang April erscheinenden Studie, die im Shop des IFH KÖLN erhältlich sein wird.

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