Omnichannel im Schnee

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Der Sporthändler Bründl startete 2016 seine Digitalisierung mit dem Ziel, das Warenwirtschaftssystem zu verbessern, heute verfügen alle Stores über eine digitale Instore-App, mit der die Mitarbeiter das Bestandsmanagement flexibel navigieren können. In seinem Vortrag auf dem EHI-Kongress Connected Commerce 2020 zeigte Projektmanager Erik von Delius auf, wie Bründl modular und schrittweise Omnichannel-Commerce umgesetzt hat.

Fast ein halbes Jahrhundert war Bründl mit der Intersport-Gruppe verbunden, der Vater der jetzigen Geschäftsführer Christoph und Bernhard Bründl war sogar eines der Gründungsmitglieder. Seit dem 1. September 2019 gehen das Salzburger Familienunternehmen und die Gruppe getrennte Wege, „geprägt von gegenseitiger Wertschätzung“, heißt es bei Bründl. Nach dem Befreiungsschlag richtete sich der Sporthändler neu aus und bündelte die drei Geschäftsbereiche Intersport Bründl, Intersport Schmitten und Intersport Planai unter der Marke „Bründl Sports“.

Herausforderung Warenwirtschaft

Kerngeschäft ist der stationäre Handel, den Bründl mit 30 Stores im Alpenraum bedient. Alle Geschäfte befinden sich, bis auf einen Store in Salzburg, ausschließlich in touristischen Gebieten, dementsprechend besteht der Großteil der Kundschaft aus Touristen. In den Filialen will Bründl vor allem ein Wohlfühlambiente schaffen, gepackt mit Erlebnis-Elementen wie einer Café-Bar.

Die Instore-App soll die Mitarbeiter auf der Fläche unterstützen.

Seine starke Expansion hat Bründl ab 2014 vor erhebliche warenwirtschaftlichen Herausforderungen gestellt. Damals wurden das Warenwirtschaftssystem noch von Intersport für Bründl betrieben. “2015 entschied sich Bründl ein eigenes Warenwirtschafts- und Kassensystem einzuführen, um die eigenen Prozesse besser abbilden zu können und sich für die weitere Expansion aufzustellen”, erklärt Erik von Delius, Projektmanager bei dem Software-Hersteller Roqqio. Gemeinsam mit Roqqio führte der Sporthändler 2016 schließlich ein neues Warenwirtschaftssystem und eine neue Kassenlösung ein.

Auf dieser Basis hat Bründl nach und nach neue digitale Tools für Kunden und Mitarbeiter eingeführt. Um das Bestandsmanagement- und den Warenfluss zwischen den Stores und dem Zentrallager flexibel navigieren zu können, rollte Bründl die Instore-App von Roqqio im Lager, dem Einkauf und den Stationärgeschäften aus. Mehr als 100 Tablets sind in den Stores verteilt, damit Mitarbeiter jederzeit Zugriff auf die Informationen haben. Die App unterstützt bei der Kundenerfassung, dem Kunden- und dem Umlagerungsmanagement und bildet Artikel- und Bestandsinformationen ab, sodass Mitarbeiter auf der Fläche den Bestand im Zentrallager und anderen Shops einsehen können.

Ende 2019 launchte Bründl eine Verleihplattform auf seinem Online-Auftritt. Dort können Kunden Skiausrüstung und Bikes für einen bestimmten Zeitraum reservieren, online bestellen und anschließend in der gewünschten Filiale abholen. Einen klassischen Webshop zum Verkauf von Ware betreibt der Sporthändler bisher ganz bewusst nicht. Der Fokus liegt auf der Stärkung des stationären Geschäfts. „Die neuen digitalen Services sollen das Filialgeschäft stärken“, sagt Erik von Delius. „Die neuen digitalen Tools dienen dazu das Filialgeschäft zu unterstützen“, sagt Erik von Delius.

Mobile Kasse geplant

Der Erfolg des Digitalisierungs-Projekts zeigt sich laut Erik von Delius auch am Beispiel der Entwicklung des Loyality-Programms, das Mitarbeiter über die Instore-App managen können. Ziel war es, wiederkehrende Touristen und Einheimische für die Marke zu begeistern und zu halten. So ist der Umsatzanteil der “Bründl Plus Card”-Besitzer kontinuierlich gewachsen und macht heute einen Anteil von über 50 Prozent am Gesamtumsatz aus. Beim Durchschnittswert pro Bon liegen die “Bründl Plus Card” Kunden wesentlich über den Werten der Laufkunden.

In Zukunft plant Bründl die Einführung weiterer Omnichannel-Prozesse, darunter die Integration einer mobilen Kasse, bei der ein Mitarbeiter am Tablet die ausgewählten Artikel des Kunden wie beim Online-Kauf in den Warenkorb legt und bargeldlos kassiert. Dazu folgt eine Ship-from-Store-Lösung und die Einführung eines Click & Collect-Services.

Autor: Imke Hahn
Mit freundlicher Genehmigung von stores + shops 

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