Nachhaltiges Handeln: Die Kosten der Retouren aus Handel- und Umweltperspektive

Jennifer ErlachGeschätzte Lesedauer: 2 Minuten

Kostenlose Retouren sind für Onlineshopper:Innen fast selbstverständlich. Doch hinter der vermeintlich kulanten Leistung der Händler:Innen steckt ein anderer Grund- der Wettbewerbsdruck. Um Kund:Innen zu halten, sehen sich die Unternehmer:Innen gezwungen Rücksendungen kostenlos anzubieten. Die aktuellste Studie zum Retourenaufgebot der Bamberger Forschungsgruppe spricht davon, dass jedes sechste Paket zurückgeschickt wird. Im Textilbereich sogar jedes Zweite. Nicht nur für die Händler:Innen hat dies negative Folgen auf ihr Geschäft, auch die Umwelt leidet unter Retouren.

Auswirkungen auf die Händler:innen

Retouren im Handel | Bild 4481259 Pexels
Retouren im Handel | Bild 4481259 Pexels

Für Kund:innen sind Retouren ein lästiges Übel, für Unternehmer:innen bedeuteten sie einen hohen Mehraufwand und Umsatzverluste.  Einer aktuellen Bitkom-Umfrage nach geben 44% der Händler:innen sogar an, dass das hohe Retourenaufkommen eine Belastung für das Geschäft darstellt. Kein Wunder, denn der Onlinehandel boomt und somit steigen die Zahlen von Rücksendungen. Was oft vergessen wird – Jede Retoure kostet Geld und Ressourcen.

Im Schnitt kostet Händler:innen eine Retoure 15,18 €. Hierzu gehören Prozesskosten wie zum Beispiel Transport und Administration und Kosten der Wertminderung. Zurückgesandte Produkte lassen sich aufgrund ihrer Ingebrauchnahme bzw. des Testens der Funktionsfähigkeit im Rahmen der Widerrufsfrist oder durch Transportschäden, nicht mehr als A-Ware verkaufen. Retouren werden deshalb mit einem Preisnachlass versehen, was wiederum Gewinnverluste für die Unternehmer bedeutet. Zudem erfordert der Umgang mit Rücksendungen zeitgemäße Strategien um die Kundenzufriedenheit nicht durch komplizierte Prozesse zu vermindern.

Auswirkungen auf die Umwelt

Rücksendungen verursachen Umweltbelastungen, das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Transport, Verpackung, eventuelle Aufbereitung und im schlimmsten Fall, ihre Verschrottung sorgen für einen hohen CO2-Ausstoß. Im Vergleich betragen die Umweltwirkungen so viel wie täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau.

Doch wieso retournieren wir überhaupt so viel?

Die Industrie macht es uns einfach. Mit dem Ziel die Kundenbindung zu stärken und so konkurrenzfähig zu bleiben, gehen Unternehmen meist über das gesetzlich vorgeschriebene Widerrufsrecht hinaus, übernehmen die Versandkosten und setzen kaum Mengenbegrenzungen. Das verleitet Menschen häufig zu überflüssigen Bestellungen.

Lieferant in Lagerhalle | Bild 4481259 Pexels
Lieferant in Lagerhalle | Bild 4481259 Pexels

Retouren vermeiden

Um Retouren zu vermeiden, müssen Händler:innen und Kund:innen an einem Strang ziehen. Auf Seiten der Händler:innen ist es notwendig, die richtigen Impulse zu setzen. So helfen detaillierte Produktbeschreibungen, genaue Produktbilder und verschiedene Tools dabei das Retourenaufkommen zu senken. Zudem gilt es, mehr Transparenz für die Kund:innen zu schaffen: Was passiert mit meinen Rücksendungen? Und welche Auswirkung könnten diese haben? Aspekte, mit denen sich die meisten Onlineshopper:innen wahrscheinlich nicht beschäftigen.

Aufgabe der Händler:innen ist es demnach, ihre Kund:innen zum Thema Retouren zu sensibilisieren. Die Frage “Brauche ich den Artikel wirklich?” stellt einen ersten Ausgangspunkt dar.

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