Interview mit Frank Rehme

Frank RehmeGeschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Interview mit Frank Rehme

Die IHK-Cottbus hat mit unserem Geschäftsführer Frank Rehme ein Interview zum Thema Coronakrise durchgeführt.

Wer steht hinter dem Projekt und mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Das Projekt ist ein Ergebnis des Koalitionsvertrages, in dem die Gründung eines Kompetenzzentrums für den Handel vereinbart wurde. Aufgehängt ist es beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die Partner des Konsortiums sind der Handelsverband Deutschland als Konsortialführer, das Institut für Handelsforschung, EHI Retail Institut und Ibi Research. Damit decken wir alle Themenfelder des Handels zur idealen Durchführung des Auftrages ab.

Wie langfristig ist es angelegt?

Das Projekt ist auf 3 Jahre ausgelegt, bei entsprechend anhaltenden Bedarf besteht die Möglichkeit der Verlängerung.

Wie sehen die Hilfestellungen konkret aus und zahlen Unternehmen dafür?

Grundsätzlich ist die Inanspruchnahme der Leistungen des Kompetenzzentrums kostenfrei. Das Portfolio ist einfach erklärt: Wir unterstützen bei allen Fragen rund um das Thema Digitalisierung, wissen aber, dass auch die analogen Themen wie z.B. Sortiment, Personal oder Ladenbau mit einbezogen werden müssen. Wir vermitteln das Wissen über unsere Kanäle: Webseite, Soziale Medien, Podcasts, Videos sowie Präsenzterminen. Wir setzen aber auch unser. DigitalMobil ein, dass Demonstratoren an Bord hat und zu Veranstaltungen von Händlergruppen etc. fährt. Persönlich erreicht man uns aber auch über die Unternehmenssprechstunden, in denen die jeweiligen Möglichkeiten aufgezeigt werden.

Welche Themen stehen jetzt in der Krise im Fokus?

Ganz klar das Thema Multichannel! Gerade die Krise hat gezeigt, wie wichtig eine digitale Präsenz ist. Ich habe Händler gesehen, die auch ohne einen Onlineshop über ihre jahrelang aufgebaute Social Media Gemeinschaft verkauft haben. Sie haben sich praktisch Fans geschaffen, die sie auch ohne ihr Ladengeschäft erreichen. Bei den Händlern, die eine Onlinepräsenz hatten, konnte ich noch einen anderen Effekt beobachten: Die Angst, nicht genug Ware verfügbar zu haben. Daran kann man erkennen, wie wichtig das Gesicht im digitalen Raum geworden ist. 

Sie haben selbst ein Webinar zum Thema "Die Krise überwinden – so geht’s" veranstaltet. Was haben Sie den Unternehmen mit auf den Weg gegeben?

 Wir haben in dem Webinar anhand von Beispielhändlern gezeigt, wie diese vorgehen und zugleich noch die zu beachtende Rahmenbedingung erklärt. Auf dem YouTube Kanal vom Kompetenzzentrum und der Webseite ist die Aufzeichnung übrigens noch abrufbar.

Welche Maßnahmen sollten stationäre Händler, die bis dato noch nicht auf den digitalen Verkauf gesetzt haben, umsetzen?

 Zuerst muss ihnen bewusst werden, wie wichtig das Thema Daten für sie ist. Ich muss mein Geschäft analysieren können, die Kunden sowie meine Reputation in sozialen Medien kennen. Dann muss die Sichtbarkeit sichergestellt werden, sprich: Habe ich meinen Google myBusiness-Account gepflegt, wie sieht meine Webseite aus und wie werde ich in den Suchmaschinen gelistet? Zugleich muss ich wissen, welche Zielgruppe ich mit welchem Sortiment digital gewinnen möchte, daraus leiten sich dann auch die Werbekanäle ab. Dann kommt die Abwägung: Starte ich einen eigenen Webshop, oder schließe ich mich einer der Plattformen an?

Gibt es Unterschiede zwischen den Hilfeanfragen kleiner und mittlerer Unternehmen?

Nein, auf keinen Fall! Wir unterscheiden da eher den digitalen Reifegrad, der hat mit der Größe nicht viel zu tun. Größe ist manchmal sogar ein Hindernis bei den notwendigen Veränderungsprozessen, da sind die kleinen oft schneller. Die Fragen sind aber immer wieder die gleichen: Wie nimmt man auf diesem Wege alle Menschen mit?

Haben die Unternehmen Nerven und Lust sich mit dem Thema Digitalisierung zu beschäftigen und ihr Geschäftsmodell mit Ihrer Hilfe zu optimieren?

Im Jahre 2020 sollte diese Frage nicht mehr gestellt werden. Es geht doch nicht darum, ob man Lust dazu hat, sondern ob man eine unternehmerische Entscheidung trifft, seinen Kunden ein zeitgemäßes Leistungsangebot zu offerieren. Wer das nicht möchte, wird sehr schnell den Markt verlassen. Unternehmerisches Denken und Handeln folgt immer den Bedürfnissen der Kunden, und die legen einen besonderen Wert auf digitale Präsenz.

Es gibt mehrere Standorte des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel. Ihr Team hat sein Büro seit Juli 2019 in Berlin. Wie groß ist Ihre Mannschaft?

Wir haben neben Berlin noch die Standorte Regensburg, Köln und einen Showroom in Langenfeld. Die Größe des Konsortiums bietet uns bei der Personalstärke einen besonderen Vorteil: Wir haben immer die Experten an Bord, die aktuell gefragt werden! Neben dem Kernteam von 15 Personen ziehen wir zu bestimmten Fragestellungen Expertise aus dem Netzwerk hinzu.

Wie läuft die Betreuung der Unternehmen ab?

Das ist sehr individuell, es gibt leider keine Schablone die man ansetzen kann. In der Regel analysieren wir erst einmal den Ist-Zustand, definieren die Ziele und legen dann eine Strategie auf Basis einer erfolgreichen Shopper Journey fest. Dabei ist unbedingt die finanzielle und personelle Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen.